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Veterinärmedizinische Fakultät

 


Universität Leipzig                           
Veterinärmedizinische Fakultät             
Dekanat
An den Tierkliniken 19
04103 Leipzig
  

              

                                                     

 

 

 

Grußwort des Dekans:

 

Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig

Die Veterinärmedizinische Fakultät versteht sich als Bildungseinrichtung, Stätte der Forschung und dem Tierwohl verpflichteten Dienstleister.

Alljährlich werden rund 140 junge Menschen mit der Immatrikulation in die Veterinärmedizinische Fakultät aufgenommen. Mit dem Status der Mitgliedschaft erwerben sie die Rechte auf eine dem Fach angemessene und an den beruflichen Perspektiven ausgerichtete Lehre. Sachwalter dieser Rechte ist ein aus 29 Professor/inn/en , 10 Privatdozent/inn/en bestehender Lehrkörper, unterstützt durch den Stab der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen. Die Ausbildung der Studierenden ist mit dem Verweis auf die Verordnung zur Approbation von Tierärztinnen und Tierärzten (TAppV) allenfalls bezüglich der inhaltlichen Gliederung und quantitativen Merkmalen wie der Stundenzahl erläutert. Tatsächlich ist die Lehre ein außerordentlich komplexes Produkt, das den Fakultätsalltag nicht nur dadurch bestimmt, dass regelmäßig Lehrveranstaltungen stattfinden. Die Evaluation der Fakultät im Jahre 2008 hat der Fakultät ein hohes Niveau in der Lehre bescheinigt. Diese Evaluation wird jedoch mehr als Aufgabe verstanden, Struktur und Instrumente der Lehre kontinuierlich weiter zu entwickeln. Die hierzu gepflegte Aufmerksamkeit, der beförderte und befördernde Gestaltungswille,  gleichsam der Herzschlag der Fakultät, zeigen sich natürlich in der ganz normalen Lehraktivität, aber auch in der individuellen und/oder institutionellen Suche nach neuen Lehrformen und –instrumenten, der lehrbezogenen Fortbildung und in der Arbeit der Studienkommission. Dies hat u.a. eine an thematischen Schwerpunkten orientierte modulare Struktur des Curriculums hervorgebracht, die im vorklinischen Teil des Studiums verschiedene Fachdisziplinen thematisch bevorzugt unter Funktionen oder einem Organsystem vereint (z.B. Modul „Zelle“); die klinische Ausbildung hingegen nimmt Anforderungsprofile der tierärztlichen Praxis zum Anlass, unterschiedliche Fachgebiete zu bündeln (z.B. Modul „Bestandsmedizin“).

Diese Struktur ist mehr einer Suche gleichzusetzen, in der es ein „erledigt“ nicht geben kann. Daher werden neue oder modifizierende Ansätze, die Studierenden an Lehrinhalte intensiviert heranzuführen, gezielt aufgegriffen; Beispiele hierfür sind die studienbegleitenden Projekte, die Studierenden die Möglichkeit geben, selbstbestimmt Teilaspekte eines frei wählbaren Faches intensiv zu bearbeiten, sowie das klinisch-praktische Jahr, währenddessen die Studierenden tiernah konkrete Aufgabenstellungen erleben und mit bearbeiten. Sie erfahren hierbei die Alltagstauglichkeit und –belastbarkeit ihrer theoretischen Kenntnisse.

Erweiterungen der Lehrformate durch elektronische Medien, neue interaktive angelegte Systeme der Visualisierung von Organen und ihren Zuständen sowie Möglichkeiten an Modellen lernend zu experimentieren, sollen den Gefahren eines verschulten Studienablaufes entgegnen, allerdings die Studierenden mehr noch dabei unterstützen, Organisationstrukturen für das erforderliche Wissen zu erlernen.

Als Bestandteil der Lehre versteht die Fakultät auch die Fortbildung. Konsequenterweise fühlt sie sich der Pflege des „Leipziger Tierärztekongresses“ besonders verpflichtet. Diese nunmehr im zweijährigen Rhythmus unter der umsichtigen Regie von Professor Gäbel stattfindende Veranstaltung hat den Rang eines lokalen Ereignisses abgelegt. Mit letztmalig ca. 4.000 Teilnehmern ist sie zu einem fachlichen „Marktplatz“ hohen Ranges herangewachsen, der für Wissenschaftler/innen, die Tierärzteschaft in allen Bereichen des Berufes aber auch für die fachspezifische Wirtschaft von herausragendem Interesse ist. Der „Leipziger Tierärztekongress“, nunmehr in seiner 7. Auflage fördert und fordert die Veterinärmedizinische Fakultät.

Forschung ist eine aus der Lehre abgeleitete Forderung. Die Forschungsprojekte der an der Fakultät wirkenden Wissenschaftler/innen bieten ein breites thematisches Spektrum von grundlagenorientierten Arbeiten beispielsweise an Zellen des Immunsystems bis zu Problemen der tierärztlichen Praxis wie den Stoffwechselstörungen von Nutztieren; Herausforderungen an die naturwissenschaftliche Disziplin Tiermedizin (z.B. Fragestellungen zu regenerativer Medizin) werden dabei ebenso abgebildet wie Anliegen des öffentlichen Gesundheitswesens (z.B. Infektionsrisiken für Mensch und Tier oder die Qualitätssicherung von Lebensmitteln tierischer Herkunft). Die Anzahl an Promotionen (ca. 50/Jahr) sowie Habilitationen (2013, 2 Habilitationen) geben ein wenngleich unvollständiges Abbild der Forschungsaktivitäten an unserer Fakultät. Eine quantitative Erweiterung personeller Ressourcen ist nicht zu erwarten. Die apparative und bauliche Infrastruktur kann den Entwicklungen in der Forschungslandschaft kaum folgen. Daher ist die Bündelung der Kräfte auf vielversprechende Themenkomplexe eine wichtige Zukunftsaufgabe, um die Möglichkeiten im Wettbewerb um Fördermittel und wissenschaftlichen Nachwuchs nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen. Dieser Zielstellung sind die zum Teil institutionalisierten Brückenschläge zu Nachbareinrichtungen wie dem Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum (BBZ), dem Max-Plank-Institut oder der Fraunhofergesellschaft gewidmet, sie verlangt darüber hinaus konzeptionell Weiterentwicklungen zur fachlichen Struktur der Fakultät, die ein forschungsfreundliches Umfeld absichern. Die Weichenstellungen, die Nutztierkliniken aus der fachgebundenen Struktur in eine tierartliche gegliederte Einrichtung zu überführen, sind Teil dieser Bestrebungen.

Gerade das Universitätstierklinikum ist in der Wahrnehmung der Fakultät durch die Öffentlichkeit prägend. Diese aus sechs Segmenten (Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik, Chirurgische Tierklinik, Klinik für Kleintiere, Klinik für Vögel und Reptilien, Medizinische Tierklinik, Funktionseinheit Klauentiermedizin) bestehende Einrichtung bietet hochwertigen medizinischen Service für Einzeltiere oder Tierbestände. Mit erheblichen Anstrengungen sind die klinischen Einrichtungen der Fakultät bestrebt, die hierfür notwendigen technischen Voraussetzungen zum Wohle der Patienten nach den Grundsätzen des fachlich Gebotenen zu gestalten. Hierfür steht exemplarisch die spezielle Ausstattung von Fahrzeugen für Bestandsbesuche ebenso wie die Einrichtung hochmoderner bildgebender Verfahren in der Groß- und Kleintiermedizin. Den Belangen der Nutztierbestände im Schulterschluss mit der kurativen Praxis Rechnung zu tragen, erweist sich als besonders fordernd. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die projizierte Schaffung einer Klauentierklinik zu werten. Die Dienstleistungen in Tierbeständen (z.B. beim Geflügel) bieten einerseits hochwertige fachliche Expertise für die landwirtschaftlichen Betriebe in Zusammenarbeit mit den praktizierenden Tierärzt/inn/en, ermöglichen es zugleich, Studierende an tiermedizinische Aufgabenstellungen unmittelbar heranzuführen. Den Tierbeständen kommen dabei die interdisziplinäre Ausrichtung der Kliniken zugute (z.B. Faktorenkrankheiten im Schweinebestand).

Ob Nutz- oder Liebhabertier, in beiden Tiergruppen sind sogenannte Zivilisationskrankheiten anzutreffen, sei es die Analoga für das „Burn out Syndrom“, die Adipositas oder altersbedingte Erkrankungen des Menschen auch beim Hochleistungsrind, bei Legehennen, Hunden, Pferden u.a. Sinnvolle oder notwendige ergänzende diagnostische Prozeduren, therapeutische und therapiebegleitende Konzepte stehen als Dienstleistung (z.B. Pathologie, Infektionsmedizin, Endokrinologie, Tierernährung) für die Integration in die Arbeiten im Universitätstierklinikum zur Verfügung.

Eine wesentliche Form der Dienstleistungen an der Veterinärmedizinischen Fakultät zeigt sich in der Kooperation mit der Wirtschaft. Anliegen unterschiedlichster Bereiche wie Tierzucht, Wirkstoffprüfung, Diagnostika sind willkommen und Bestandteil von Arbeiten in diversen Einrichtungen. Mit der Kooperationsstelle für klinische Studien (KoVet), speziellen labortechnischen Voraussetzungen (z.B. Referenzlabor) und den Möglichkeiten zum breitgefächerten Versuchsdesign von der Zellkultur bis zum fakultätseigenen Tierbestand auf den Lehr- und Versuchsgut Oberholz sind die Voraussetzungen zur Kooperation mit der Wirtschaft günstig.

Die skizzierten Aufgabenbereiche verlangen Aktivitäten auf  diversen Ebenen.

Das Profil des Lehrkörpers ist durch Berufungen (Pharmakologie, Pharmazie und Arzneimittelverordnungslehre, Frau Prof. Dr. A. Richter und Krankheiten der Wiederkäuer, Herr Prof. Dr. A. Starke) gepflegt worden. Anstehende Wiederbesetzungen (z.B. Nachfolge Frau Prof. Dr. Krüger) sind besonders mit Blick auf Strahlkraft von Forschungspotentialen im klinischen Umfeld oder öffentlichen Gesundheitswesen betrieben.

Die apparative Ausstattung von Fakultätseinrichtungen wartet mit neuen Geräten (z.B. Bewegungsanalyse, hochmoderner Magnetresonaztomograph) auf. Wichtige Impulse für die Lehre können vom sogenannten „Skills-Lab“ erwartet werden, das den Studierenden ein Training an Modellstrukturen ermöglicht.

Umfängliche Baumaßnahmen der jüngsten Vergangenheit sowie aktuell laufende Vorhaben gehen über Sanierung und Erhalt der baulichen Ressourcen hinaus. Mit der Renovierung des Gebäudes des ehemaligen Instituts für Tierhygiene und entsprechender Erweiterung konnte das Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik mit Büros und Laboratorien wieder am Campus der Fakultät angesiedelt werden. Laufende Umbaumaßnahmen im auf dem Lehr- und Versuchsgut Oberholz werden die Voraussetzungen für die tiernahe Lehre nachhaltig verbessern und zudem die Möglichkeiten zur spezialisierten Tierhaltung für Forschungszwecke entwickeln.

Die Veterinärmedizinische Fakultät kann nunmehr am hiesigen Standort, „An den Tierkliniken“ auf 90 Jahre (zurück)schauen. Die Würdigung der Genese des Vorhandenen sichert dessen Bestand. Mit Namen wie Röder, Johne, Haubner, Ellenberger, Ackerknecht, Christoph, Kolb, Gürtler, Ungemach kann die/der Aufmerksame diese Genese greifen und wird zu Widersprüchlichem gemahnt: Bescheidenheit und Rastlosigkeit.

Mit der Überzeugung, diese Eigenschaften an der Fakultät verwurzelt zu sehen darf die Fakultät auch auf 90 Jahre zurückschauen, um für Künftiges zu entscheiden.

 

Prof. Dr. Manfred Coenen